Montag, 23. Januar 2017

Molkerei-Genossenschaft Bassum (lang, lang ist's her)

Früher gab es hier auf dem Lande viele Molkereien. Milch musste schnell und daher in der Nähe verarbeitet werden.

Mein Vater hat Ende der 50er Jahre seinen ersten Trecker (Traktor) mit dem Lohn als Milchkannenkutscher bezahlt. Das hieß jeden Morgen früh raus, auch im Winter, und bei den anderen Bauern die vollen Milchkannen abholen um sie dann zur Molkerei zu bringen.
Auf dem Rückweg war die bestellte Buttermilch oder Magermilch in den Kannen. Damit jeder seine eigenen Kannen zurückbekam hatten diese eine Nummer. Jeder Milchkannenkutscher wußte genau wo welche Kanne hingehört und wo sie auf seinem Wagen standen.
Übrigens, es waren auch noch einige Pferdegespanne im Einsatz.
Ich bin als Kind gerne mit zur Molkerei gefahren oder bin meinem Vater entgegengegangen um dann auf einem Melkebock auf ihn zu warten. Auf den Melkebock, eine Art Tisch, wurden die vollen Milchkannen gestellt damit sie vom Wagen aus leichter zu erreichen waren.
Leider habe ich keine Bilder der Molkerei Nienstedt, die mein Vater beliefert hat.

Gefunden habe ich aber beim Aufräumen ein Album mit Bildern der Molkerei-Genossenschaft Bassum. Dorthin wurde die Milch von unserem Hof (auf den ich eingeheiratet bin) geliefert.
Das Album war 1962 ein Geschenk an die Vorstände zum 25jährigem Bestehen der Molkerei. Mein Schwiegervater war zu der Zeit im Vorstand.
Ich habe dieses Album heute dem Stadtarchiv gebracht und vorher die Bilder kopiert.

Die Bassumer Molkerei war um einiges größer als die Nienstedter Molkerei.






Auf den Bändern wurden die Milchkannen zur Entleerung transportiert und danach zurück zu den Treckergespannen.
Rohmilch ist die Milch so wie sie von den Bauern angeliefert wurde, bzw. wie sie aus dem Kuheuter kam.




In den Zentrifugen wurden Schmutzteile aus der Milch herauszentrifugiert.
Die Butterfertiger funktionierten ähnlich wie die kleinen Butterfässer für den Haushalt. Butter ist eigentlich nur zu lange geschlagene Sahne - ist vielleicht dem einen oder anderem schon mal passiert.



Die Butter wurde zu 250 g-Stücken  geformt und dann verpackt.
Käse wurde in der Bassumer Molkerei ebenfalls produziert.


Auch damals schon wurde die Milch im hauseigenem Labor kontrolliert.


Der große Dampfkessel und die Dampfmaschine für den Antrieb der einzelnen Maschinen.


Die Kühlmaschinen für die Milchkühlung (s. oben).


Die Umkleide- und Waschräume. Sie waren praktisch aber nicht chic.


Dafür haben das Sitzungszimmer und das Betriebsleiterbüro ihren eigenen 60er-Jahre Charme.


Auf dem Geländer der Molkerei wurden auch Kartoffeln gedämpft.
Bei uns wurden die kleinen Kartoffeln aussortiert und nach dem Dämpfen waren sie ein begehrtes Viehfutter. Ich habe als kleines Kind liebend gerne diese Kartoffeln direkt vom Anhänger gegessen.

Kommentare:

  1. Was für schöne Erinnerungen.
    Mein Vater fuhr auch mit einem Milchwagen um die Milchkannen zu holen, nach dem Krieg mit Pferd und Wagen , später mit einem LKW.Die kelien Kartoffeln hießen und heißen bei uns Hopskartoffeln.
    LG
    Käthe

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  2. Liebe Inge,
    was für tolle Erinnerungen. Hier bei uns auf dem Dorf
    gab es bis vor zwei Jahren noch ein Milchhäusle, wo man
    zu gewissen Stunden frische Milch.
    Einen angenehmen Abend wünscht dir
    Irmi

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  3. Eine spannende Zeitreise, besonders gefallen mir die Fotos mit den vielen Milchkannen. Ich muss dann an Milch holen denken mit dem Alukrüglein das natürlich geschaukelt und im Kreis geschwenkt wurde ... Schwerkraft testen.
    Auch denke ich an den Film "Irgendwie und "Sowieso", dort gibt es eine Szene in der Schulbus und Milchauto logistisch vertauscht wurden.
    LG Ute

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